{"id":2788,"date":"2019-03-05T01:06:54","date_gmt":"2019-03-05T00:06:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ecr-inst.com\/?p=2788"},"modified":"2020-11-30T11:39:29","modified_gmt":"2020-11-30T10:39:29","slug":"das-selbst-bewusstsein-erklaert-orthogonale-komplementaritaet-und-die-transzendentalphilosophische-begruendung-der-einheit-physikalischer-und-psychischer-grundbegriffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ecr-inst.com\/de\/das-selbst-bewusstsein-erklaert-orthogonale-komplementaritaet-und-die-transzendentalphilosophische-begruendung-der-einheit-physikalischer-und-psychischer-grundbegriffe\/","title":{"rendered":"Das Selbstbewusstsein erkl\u00e4rt #2 &#8211; Orthogonale Komplementarit\u00e4t und die transzendentalphilosophische Begr\u00fcndung der Einheit physikalischer und psychischer Grundbegriffe"},"content":{"rendered":"<p><em>Marcus Schmieke, Kr\u00e4nzlin, den 17. Juli 2018<\/em><\/p>\n<p><em><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2784\" src=\"https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orthogonale-Komplementarit\u00e4t.png\" alt=\"\" width=\"1178\" height=\"888\" srcset=\"https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orthogonale-Komplementarit\u00e4t.png 1178w, https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orthogonale-Komplementarit\u00e4t-250x188.png 250w, https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orthogonale-Komplementarit\u00e4t-300x226.png 300w, https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orthogonale-Komplementarit\u00e4t-768x579.png 768w, https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orthogonale-Komplementarit\u00e4t-1024x772.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 1178px) 100vw, 1178px\" \/><\/em><\/p>\n<p><em>Das Vier-Kreise-Modell des empirischen Bewusstseins<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Transzendentalphilosophie der Kant-Nachfolger Fichte, Schelling und Hegel konstituiert sich das Ich durch Selbstreflexion als reines Subjekt. Der in der Tradition der Reflexionsphilosophie stehende Sozialphilosoph Johannes Heinrichs betrachtet diesen transzendentalen Vollzug des Bewusstseins als das Subjekt eines aus vier Sinnelementen bestehenden ph\u00e4nomenologischen Modells von Geist, Materie und Ich und Du, das in seiner ontologischen Auslegung zur Triade Geist, Materie und Psyche wird<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>. In seiner Sozialtheorie entsteht hieraus das Vier-Kreise-Modell von Geist, Materie, Ich und Du.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Das in dieser Arbeit vorgeschlagene Modell steht ebenfalls in der Denk-Tradition des deutschen Idealismus, der im Bewusstsein als Selbstreflexion den transzendentalen Grund der objektivierten Wirklichkeitsbeschreibung sieht. Aus der hierbei notwendigen Unterscheidung von Reflexion in sich und anderes bzw. in Selbstreflexion und \u00e4u\u00dfere Reflexion wird die Trennung der Wirklichkeitserfahrung in eine objektive \u00e4u\u00dfere Wirklichkeit und innere subjektive Erfahrung abgeleitet. Zum kartesianischen Dualismus einer objektiven <em>res extensa<\/em> und einer subjektiven <em>res cogitans<\/em> tritt das transzendentale Subjekt hinzu, wodurch die <em>res cogitans<\/em> im Reflexionslichte des Subjektvollzuges zum objektivierten Bewusstseinsgehalt der Psyche wird. Die Psyche erf\u00e4hrt die Wirklichkeit in einer Komplementarit\u00e4t materieller und geistiger Inhalte, wobei sich in den beiden komplement\u00e4ren Grenzwerten der materielle Substanzbegriff (Masse) und rein geistige Erkenntnisinhalte wie z.B. mathematische Gesetze als Extreme gegen\u00fcber stehen. Alle konkreten psychischen Gehalte besitzen einander erg\u00e4nzende materielle und geistige Eigenschaften, was den Begriff der Komplementarit\u00e4t in diesem Zusammenhang rechtfertigt. Komplementarit\u00e4t wird hier in Analogie zu dem naturwissenschaftlich durch Niels Bohr gepr\u00e4gten Begriff verstanden. Er beschreibt Paare von Begriffen bzw. Eigenschaften, die einander ausschlie\u00dfende Perspektiven auf ein System darstellen, die zur vollst\u00e4ndigen Beschreibung jedoch notwendig sind. Sie zeichnen sich hierbei durch in dem jeweiligen Kontext maximal m\u00f6gliche Inkompatibilit\u00e4t aus<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>. In dieser Arbeit wird Komplementarit\u00e4t sowohl im streng naturwissenschaftlichen quantentheoretischen als auch in diesem analogen Sinn verwendet, da in diesem Begriff ein Schl\u00fcssel zur Verbindung physikalischer und psychologischer Erkenntnis vermutet wird.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>Das Geistige wird in diesem Zusammenhang wie bei Johannes Heinrichs als ein Sinnmedium aufgefasst, einem Apriori der Kommunikationsgemeinschaft, da es Materielles so wie Psychisches sinnhaft anordnet und miteinander in Beziehung setzt.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Es l\u00e4sst sich weder auf Materielles noch auf Psychisches reduzieren und kann ebenso wenig als von diesen beiden Kategorien abh\u00e4ngig betrachtet werden.<\/p>\n<p>Der theoretische Physiker, Kosmologe und Mathematiker Roger Penrose legt seinem naturwissenschaftlichen Verst\u00e4ndnis ein analoges Drei-Welten-Modell zugrunde, das eine platonisch-geistige und eine physikalisch-materielle Welt durch eine psychischen Welt erg\u00e4nzt, die die geistigen Inhalte wissen kann, welche wiederum die Anordner\u00a0 physikalischer Prozesse sind.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> Die physikalischen Prozesse bilden nach Penrose wiederum die Grundlage des empirischen Bewusstseins der Psyche. Das empirische Bewusstsein ist von der Darstellung in geistig durchdrungenen materiellen R\u00e4umen abh\u00e4ngig, ist jedoch letztlich transzendental in der Selbstreflexion begr\u00fcndet und daher von einer konkreten physikalischen Verk\u00f6rperung unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2786\" src=\"https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/penrose-deutsch-283x300.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/penrose-deutsch-283x300.jpg 283w, https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/penrose-deutsch-250x265.jpg 250w, https:\/\/www.ecr-inst.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/penrose-deutsch.jpg 456w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/p>\n<p><em>Drei Welten nach Roger Penrose<\/em><\/p>\n<p>Die wiederholte Selbstreflexion ist der Motor der Interaktion materieller und geistiger Inhalte im psychischen Bewusstsein und tritt dort als empirische Zeit in Erscheinung. Die empirische Zeit spiegelt sich in materiell-geistigen Prozessen ebenso wider wie in der menschlichen Erfahrung, in deren Mittelpunkt das Jetzt steht. In den klassischen naturwissenschaftlichen Modellen der Newton\u00b4schen Mechanik, der Maxwell\u00b4schen Elektrodynamik und auch der Schr\u00f6dinger-Gleichung der Quantenphysik findet sich das Jetzt jedoch nicht als ausgezeichnetes Element des an sich linearen Zeitverst\u00e4ndnisses. Erst Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker hat in seiner Begr\u00fcndung der Quantentheorie auf die fundamentale Bedeutung der Zeit als Jetzt-Erfahrung hingewiesen und diesen Begriff an den Anfang seiner Herleitung des Aufbaus der Physik gestellt.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Der Begriff des Jetzt leitet sich aus der Unterscheidung zwischen dem Faktischen der Vergangenheit und dem M\u00f6glichen der Zukunft und deren dynamischen Umwandlung ineinander im Gegenwartsvollzug des Jetzt ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Quantentheoretische Bedingungen empirischen Bewusstseins<\/em><\/p>\n<p>Die Quantentheorie hat sich seit ca. 100 Jahren als die Grundlage fast aller naturwissenschaftlichen Theorien etabliert. Sie bedarf der Unterteilung der Wirklichkeit in den durch die klassische Physik in faktischen Begriffen zu beschreibendem Beobachter und das beobachtete System, das mit Hilfe der Schr\u00f6dinger-Gleichung als eine \u00dcberlagerung von M\u00f6glichkeiten durch die Wellenfunktion beschrieben wird. Erst in der dem Jetzt entsprechenden Beobachtung findet die Wechselwirkung zwischen dem Beobachter und dem beobachteten System statt, wodurch beide in einen verschr\u00e4nkten Zustand \u00fcbergehen, der durch eine gemeinsame Wellenfunktion beschrieben werden muss. Dieser stellt eine \u00dcberlagerung von M\u00f6glichkeiten dar, die dann im Moment der Beobachtung in einen einzigen eindeutigen faktischen Zustand \u00fcbergehen (Reduktion der Wellenfunktion), der dann mit den Begriffen der klassischen Physik beschrieben werden kann.\u00a0 Die Aufteilung der einen Wirklichkeit in einen Beobachter und ein beobachtetes System wird als Heisenberg-Schnitt bezeichnet. Dieser Schnitt spiegelt den Descarte\u00b4schen Schnitt ebenso wider wie die Relation zwischen dem transzendentalen Subjekt und dem empirischen Bewusstsein.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n<p>Erst das faktische Ergebnis einer Beobachtung ist als Bewusstseinsinhalt geeignet und wird damit zum bewussten Gehalt der Psyche. Die \u00dcberlagerung von M\u00f6glichkeiten der Wellenfunktion und ihre dynamische zeitliche Entwicklung gem\u00e4\u00df der Schr\u00f6dinger-Gleichung stellen keine bewusstseinsf\u00e4higen Inhalte dar, da sie keine Eindeutigkeit und Klarheit besitzen.<\/p>\n<p>Aktuelle Theorien der Quantenneurobiologie sehen die Reduktion komplexer quantenphysikalischer Felder im Gehirn auf konkrete faktische molekulare neuronale Strukturen und Aktivit\u00e4ten als physiologische Entsprechung von Bewusstseinsprozessen. Hierbei wird das klassische Ergebnis einer quantenphysikalischen Messung der elektromagnetischen Felder und Zust\u00e4nde des Gehirns als Messergebnis im Bewusstsein abgebildet. Bewusste Inhalte der Psyche lassen sich auf diese Weise dem faktischen Gehalt von Quanten-Beobachtungen zuordnen.<\/p>\n<p>Das von Penrose und Hameroff entwickelte Modell der orchestrierten Reduktion koh\u00e4renter neuronaler Quantenfelder sieht das Bewusstsein als eine regelm\u00e4\u00dfige Folge solcher Reduktionen mit einer Frequenz zwischen 40 bis 80 Hz.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> Die empirisch erfahrene Kontinuit\u00e4t des Bewusstseins entst\u00fcnde demnach aus einer hochfrequenten \u00dcberlappung bewusster Momente, die jeweils aus einer faktischen Reduktion quantenphysikalischer M\u00f6glichkeitsfelder resultieren.<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser Theorie entwickelt sich die Wellenfunktion zwischen ihren Reduktionen ins Faktische entsprechend der Schr\u00f6dinger-Gleichung. F\u00fcr ca. 25 ms entsteht demnach ein \u00fcber mehrere Zentimeter ausgedehntes holografisches Quantenfeld, in dem sich unendlich viele m\u00f6gliche Zust\u00e4nde \u00fcberlagern. Diese Superposition von M\u00f6glichkeiten entspricht mangels Eindeutigkeit im Allgemeinen keinen bewussten psychischen Gehalten, k\u00f6nnte jedoch den unbewussten psychischen Prozessen zugeordnet sein, die zeitlich zwischen bewussten Gedanken oder Gef\u00fchlen liegen und\u00a0 den unbewussten Hintergrund bewussten Geschehens bilden. Diese Zuordnung bietet sich an, weil Eindeutigkeit und Klarheit eine wesentliche Eigenschaft bewusster Ereignisse sind, w\u00e4hrend die unbewusste Psyche unscharfe Konturen und eine \u00dcberlagerung einander ausschlie\u00dfender Gedanken und Gef\u00fchle umfassen kann. Sp\u00e4ter werden wir darlegen, dass unter bestimmten Umst\u00e4nden solche ausgedehnten Quantensuperpositionen als besondere au\u00dfergew\u00f6hnliche Bewusstseinszust\u00e4nde in Erscheinung treten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ebenso wie in der Quantenphysik, die eine Wirklichkeit mit Begriffen faktischer und m\u00f6glicher Modelle beschrieben werden muss, bedarf die Beschreibung psychologischer Prozesse der Koexistenz bewusster und unbewusster Elemente. In Analogie zu dem quantentheoretischen Komplementarit\u00e4ts-Begriff, kann der psychologische Gegensatz bewusst-unbewusst als komplement\u00e4res System angesehen werden, wie das folgende Zitat von C.G. Jung zum Ausdruck bringt<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>:<\/p>\n<p>\u201eSo gelangen wir zu dem paradoxen Schluss, dass es keinen Bewusstseinsinhalt gibt, der nicht in einer anderen Hinsicht unbewusst w\u00e4re. Vielleicht gibt es auch kein unbewusstes Psychisches, das nicht zugleich bewusst w\u00e4re mit ausdr\u00fccklicher Ausnahme des Nichtbewusstseinsf\u00e4higen und nur Seelen\u00e4hnlichen.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n<p>Nach diesen \u00dcberlegungen ergibt sich sowohl in der Physik als auch in der Psychologie die Notwendigkeit, sowohl die objektive als auch die subjektive Seite der Wirklichkeit mit komplement\u00e4ren Begriffen zu beschreiben, wobei das reine transzendentale Subjekt dem Dualismus der Objektivierung geschuldet als ausgeschlossenes Drittes im Hintergrund bliebt. Die objektive Seite wird in beiden Disziplinen durch die Komplementarit\u00e4t von Geist und Materie dargestellt, w\u00e4hrend die subjektive Seite jeweils durch die Begriffspaare faktisch-m\u00f6glich und bewusst-unbewusst charakterisiert wird. Sowohl in der Physik als auch in der Psychologie steht hinter dem dynamischen empirischen Prozess die wiederholte Selbstreflexion als das reine Subjekt. Die empirische Zeit kommt in der Physik in der wiederholten Quantenbeobachtung zum Ausdruck, w\u00e4hrend sie in der Psychologie dem bewussten Erleben selbst entspricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Orthogonale Komplementarit\u00e4t <\/em><\/p>\n<p>Eine orthogonale Komplementarit\u00e4t besteht aus zwei komplement\u00e4ren Begriffspaaren. Da die involvierten Komplementarit\u00e4ten bereits Produkte reflexiver Beziehungen darstellen, ist eine Doppel-Komplementarit\u00e4t eine doppelte Reflexion, was der Selbstreflexion des transzendentalen Subjekts analog ist. Eine solche orthogonale Komplementarit\u00e4t k\u00f6nnte die Grundlage der strukturellen Einheit von Physik, Psychologie und Philosophie bilden. Die Eigenschaft der Orthogonalit\u00e4t bringt zum Ausdruck, dass das eine komplement\u00e4re Paar bereits im Sinne einer zweiwertigen Logik und des darin implizierten <em>tertium non datur<\/em> vollst\u00e4ndig ist und die andere Komplementarit\u00e4t als ihre absolute Negation, d.h. Reflexion enth\u00e4lt.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a> Die Materie-Geist-Dualit\u00e4t bedarf somit der Erg\u00e4nzung um die Perspektive des bewusst-unbewussten und umgekehrt, um den dahinterliegenden introszendenten Ursprung der Selbstreflexion zu beschreiben. In der Quantenphysik l\u00e4sst sich die Eigenschaft der Komplementarit\u00e4t nicht vertauschbarer Observablen wie beispielsweise des Ortes und Impulses mit der Notwendigkeit, die Wellenfunktion im komplexen Zahlenraum darzustellen in Beziehung setzen. Die Eigenschaft der Komplementarit\u00e4t entspricht in gewisser Hinsicht der Darstellung durch komplexe Zahlen, da erst die besonderen Kalk\u00fcleigenschaften komplexer Zahlen die gemeinsame Bestimmtheit komplement\u00e4rer Eigenschaftsr\u00e4ume erm\u00f6glicht.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Die Darstellung der Dynamik von Quantenzust\u00e4nden in komplexen Zahlenr\u00e4umen f\u00fchrt auch dazu, dass im Inneren von Quantenzust\u00e4nden, also in deren subjektiven Sein, eine imagin\u00e4re Zeit zyklisch verlaufen kann, die in der \u00e4u\u00dferen empirischen Zeit nicht in Erscheinung tritt. Ein Zusammenhang zu psychischen Ph\u00e4nomenen und zur Unterscheidung des bewussten und unbewussten Zeitempfindens k\u00f6nnte vor diesem Hintergrund untersucht werden.<\/p>\n<p>Es ist nicht verwunderlich, dass der Physik-Nobelpreistr\u00e4ger und Mitbegr\u00fcnder der Quantenphysik Wolfgang Pauli zu einer \u00e4hnlichen Schlussfolgerung kam, da er f\u00fcr mehr als zwanzig Jahre einen intensiven Dialog mit C.G. Jung gef\u00fchrt hat, in dessen Mittelpunkt die Vereinigung des physikalischen mit dem psychologischen Standpunkt stand. In \u201eModerne Beispiele der Hintergrundsphysik\u201c schrieb Pauli in einem nicht zur Ver\u00f6ffentlichung gedachten Artikel:<\/p>\n<p>\u201eDie Komplementarit\u00e4t der Physik hat \u2026 eine tiefliegende Analogie zu den Begriffen \u201eBewusstsein\u201c und \u201eUnbewusstes\u201c in der Psychologie.\u201c<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a><\/p>\n<p>Weiter schreibt Pauli in dem gleichen Artikel:<\/p>\n<p>\u201eNach der hier vertretenen Auffassung w\u00fcrde die Quaternit\u00e4t nicht innerhalb der Physik zur Geltung kommen, wohl aber w\u00e4re der aus Physik und Psychologie bestehenden Ganzheit eine Quaternit\u00e4t zugeordnet, insofern sich das komplement\u00e4re Gegensatzpaar der Physik im Psychischen nochmals gespiegelt wiederfindet. Es w\u00e4re denkbar, und es scheint mir sogar plausibel, da\u00df es Ph\u00e4nomene geben k\u00f6nnte, wo die ganze Vierheit eine wesentliche Rolle spielt, nicht nur das physikalische und das psychische Gegensatzpaar allein. Bei solchen Ph\u00e4nomenen w\u00fcrden sich begriffliche Unterscheidungen wie \u201ephysisch\u201c und \u201epsychisch\u201c nicht mehr sinnvoll definieren lassen.\u201c<\/p>\n<p>Das hier von Pauli angesprochene komplement\u00e4re Gegensatzpaar der Physik sieht er in Analogie zu den Begriffen des \u201eBewussten\u201c und \u201eUnbewussten\u201c als der Beobachter und das Beobachtete, wobei er das Bewusstsein als den subjektiven Beobachter und das Unbewusste als das objektive Beobachtete sieht.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Diese Ansicht vertritt Pauli in einem Brief an C.G. Jung aus dem Jahre 1954, den Jung erstmalig in \u201eDer Geist der Psychologie\u201c zitiert:<\/p>\n<p>\u201eDer Physiker wird in der Tat eine Entsprechung in der Psychologie an der Stelle erwarten, weil die erkenntnistheoretische Situation betreffend die Begriffe \u201eBewusstsein\u201c und \u201eUnbewusstes\u201c eine weitgehende Analogie zu der unten skizzierten Situation der \u201eKomplementarit\u00e4t\u201c in der Physik aufzuweisen scheint. Einerseits l\u00e4sst sich ja das Unbewusste nur indirekt erschlie\u00dfen durch seine (Anordnenden) Wirkungen auf Bewusstseinsinhalte, andererseits hat jede \u201eBeobachtung des Unbewussten\u201c, d.h. jedes Bewusstmachen unbewusster Inhalte, eine zun\u00e4chst unkontrollierbare R\u00fcckwirkung auf diese unbewussten Inhalte selbst (was bekanntlich ein \u201eErsch\u00f6pfen\u201c des Unbewussten durch \u201eBewusstmachung\u201c prinzipiell ausschlie\u00dft). Der Physik wird also per anologiam schlie\u00dfen, dass eben diese unkontrollierbare R\u00fcckwirkung des beobachtenden Subjekts auf das Unbewusste den objektiven Charakter seiner Realit\u00e4t begrenzt und dieser zugleich eine Subjektivit\u00e4t verleiht. Obwohl ferner die Lage des \u201eSchnittes\u201c zwischen Bewusstsein und Unbewusstem (wenigstens bis zu einem gewissen Grad) der freien Wahl des \u201epsychologischen Experimentators\u201c anheimgestellt ist, bleibt die Existenz dieses \u201eSchnittes\u201c eine unvermeidliche Notwendigkeit. Das \u201ebeobachtete System\u201c w\u00fcrde demnach vom Standpunkt der Psychologie nicht nur aus physikalischen Objekten bestehen, sondern das Unbewusste mit umfassen, w\u00e4hrend dem Bewusstsein die Rolle des \u201eBeobachtungsmittels\u201c zuk\u00e4me. Es ist unverkennbar, dass durch die Entwicklung der \u201eMikrophysik\u201c eine weitgehende Ann\u00e4herung der Art der Naturbeschreibung in dieser Wissenschaft an diejenige der neueren Psychologie erfolgt ist: W\u00e4hrend Erstere infolge der als \u201eKomplementarit\u00e4t\u201c bezeichneten prinzipiellen Situation der Unm\u00f6glichkeit gegen\u00fcbersteht, die Wirkungen des Beobachters durch deterministische Korrekturen zu eliminieren, und deshalb auf die objektive Erfassung aller physikalischen Ph\u00e4nomene im Prinzip verzichten muss, konnte die Letztere die nur subjektive Bewusstseinspsychologie durch das Postulat der Existenz eines Unbewussten von weitgehend objektiver Realit\u00e4t grunds\u00e4tzlich erg\u00e4nzen.\u201c<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p>Die aus Paulis Andeutung zu bildende Quaternit\u00e4t best\u00fcnde also aus den Polen Beobachter -Beobachtetes &#8211; Bewusstsein \u2013 Unbewusstes. Hierin zeigt sich, dass Pauli in der Quaternit\u00e4t eine Widerspiegelung der Komplementarit\u00e4ten von Physik und Psychologie in der jeweils anderen Disziplin sah, w\u00e4hrend die diesem Artikel zugrunde liegende Quaternit\u00e4t aus zwei zueinander komplement\u00e4ren Komplementarit\u00e4ten besteht, die sich in jeder einzelnen der Disziplinen wiederfinden. Paulis oben ausgesprochene Vermutung, dass in bestimmten Ph\u00e4nomenen eine gemeinsame Quaternit\u00e4t von Physik und Psychologie m\u00f6glich ist,\u00a0 scheint in dem hier vorliegenden Ansatz realisiert, da Materie und Geist Begriffe beider Disziplinen sind, w\u00e4hrend die subjektive Achse in psycho-physischen Begriffen formuliert werden kann. Das Menschliche Erleben als Ganzheit scheint also ein solches durch eine psycho-physische Quaternit\u00e4t zu beschreibendes Ph\u00e4nomen zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Vier-Kreise-Modell des Erlebnisraums des Menschen<\/em><\/p>\n<p>Die doppelte Komplementarit\u00e4t l\u00e4sst sich nun in Form vierer Kreise darstellen, die sich so durchdringen und \u00fcberlappen, dass im Zentrum die Schnittfl\u00e4che aller vier Kreise, drum herum vier dreifache Schnittfl\u00e4chen, flankiert von vier doppelten Schnittfl\u00e4chen und den vier einfachen Restkreissegmenten entstehen. Dieses Bild erlaubt die Darstellung der wechselseitigen Durchdringung zweier Komplementarit\u00e4ten in Beziehung zu unterschiedlichen Reflexionsstufen, wobei die Anzahl der sich jeweils \u00fcberlappenden Kreise die Reflexionsstufe kennzeichnet. Die darin m\u00f6gliche Zuordnung zu grundlegenden Begriffen und Elementen der Physik und der Psychologie insbesondere der Quantenphysik und der Tiefenpsychologie lassen vermuten, dass das Diagramm und die Annahme der dahinter liegenden orthogonalen Komplementarit\u00e4t der Physik und der Psychologie gemeinsame Strukturen der Wirklichkeit abbilden. So k\u00f6nnte diese Struktur helfen, zu einer gemeinsamen Sprache f\u00fcr den psychischen und den physischen Bereich der Wirklichkeit zu finden.<\/p>\n<p>Die einfachen Restkreis-Segmente entsprechen der ersten Reflexionstiefe<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> und somit dem unmittelbaren Bewusstsein der Materie, des Geistes, des Bewussten\/Faktischen und Unbewussten\/M\u00f6glichen.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a> Diese Sinnelemente sind f\u00fcr sich genommen getrennt voneinander nicht bewusstseinsf\u00e4hig. Das Unbewusste ohne Bezug zum Geistigen oder zur Materie ist nicht bewusstseinsf\u00e4hig, ebenso wenig wie das rein Geistige ohne einen Bezug zum Bewussten. Besonderer Betrachtung geb\u00fchrt in diesem Zusammenhang dem Geistigen, das im physikalischen und psychologischen Zusammenhang auch den Informationsbegriff umfasst. Auf der Stufe der ersten Reflexionstiefe\u00a0 handelt es sich notwendigerweise um bedeutungslose Information, die noch keinem psychischen, materiellen oder lebendigen Objekt oder Prozess zugeordnet werden kann. Eine solch bedeutungsfreie Information hat der Quantenphysiker und langj\u00e4hrige Mitarbeiter von Carl Friedrich von Weizs\u00e4ckers, Thomas G\u00f6rnitz, in Abgrenzung zum klassischen Informationsbegriff nach Shannon eingef\u00fchrt, um eine Herleitung der physikalischen Grundbegriffe zu erm\u00f6glichen, ohne sich auf die Psyche beziehen zu m\u00fcssen.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die vier psychischen Grundfunktionen nach C.G. Jung<\/em><\/p>\n<p>Die zweite Reflexionstiefe der doppelten Kreiselemente entspricht im psychologischen Bereich den vier Grundfunktionen des Bewusstseins, die in der Darstellung von C.G. Jung ein ebensolches orthogonales System zweier komplement\u00e4rer Achsen ergeben.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a> Hierbei stehen sich Denken und F\u00fchlen ebenso komplement\u00e4r gegen\u00fcber wie Empfinden und Intuition. Das letztere Begriffspaar bildet die Wahrnehmungsachse, w\u00e4hrend F\u00fchlen und Denken die Urteilsachse ergeben. Wahrnehmung und Urteil stehen ebenso in komplement\u00e4rer Beziehung zueinander.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Eine Wahrnehmung soll m\u00f6glichst urteilsfrei erfolgen, bedarf jedoch gleichzeitig schon der F\u00e4higkeit zur Erkennung, die nicht urteilsfrei sein kann. Das Urteil ver\u00e4ndert gleichzeitig die Wahrnehmung und ist gleichzeitig eine Wahrnehmung des Gleichen aus einer anderen Perspektive. Reine Wahrnehmung und reines Urteilen gibt es nicht ohne das jeweils andere. Ebenso verhalten sich die beiden Gegenpole auf den beiden Achsen zueinander komplement\u00e4r. Die Empfindung nimmt das Jetzt-Sein eines Gegenstandes wahr, w\u00e4hrend die Intuition sein m\u00f6gliches Werden erkennt. Beim F\u00fchlen und Denken h\u00e4ngt das Gesamturteil wiederum von der Reihenfolge ab. Erst Denken und dann F\u00fchlen ergibt wohl ein anderes Ergebnis, als erst zu F\u00fchlen und dann dar\u00fcber nachzudenken. In dieser Hinsicht verhalten sich Denken und F\u00fchlen also wie die quantenphysikalische Messung des Ortes und des Impulses eines Teilchens.<\/p>\n<p>In physikalischer Hinsicht bilden diese Reflexionselemente zweiter Tiefe analog zu den psychischen Funktionen die grundlegenden Begriffe physikalischer Beschreibung wie der Masse (F\u00fchlen), der Ph\u00e4nomenologie der klassischen Beobachtung (Empfinden), deren Messergebnisse (Denken) und der quantentheoretischen Wellenfunktion (Intuition).<\/p>\n<p>Im Folgenden sind die vier Grundfunktionen des Bewusstseins einzeln dargestellt und in Beziehung zu ihren physikalischen Entsprechungen gesetzt. Diese Entsprechungen bilden eine Kernthese dieses Modells, da sie die strukturelle und inhaltliche \u00c4hnlichkeit der analytischen Psychologie nach C.G. Jung und der Quantenphysik offenlegen und stellen ein Angebot f\u00fcr eine weitere interdisziplin\u00e4re Theoriebildung dar:<\/p>\n<p><em>Denken:<\/em> In der Schnittfl\u00e4che zwischen dem Geist und dem bewussten Pol der Psyche entsteht das Denken als Selbstreflexion mit gleichzeitiger Reflexion auf den Gegenstand des Geistigen. Auf diese Weise erkennt der Mensch geistige Zusammenh\u00e4nge und vollzieht Theoriebildung, mit deren Hilfe er die empirisch durch das Empfinden gewonnenen Sinneswahrnehmungen anordnen kann. Hierzu geh\u00f6rt beispielsweise das Erkennen und Nachvollziehen mathematischer Gesetze, die wiederum als quantitative Anordnung von Ergebnissen physikalischer Messungen dienen k\u00f6nnen. Die physikalische Entsprechung der Gedanken ist somit das quantitative Messergebnis, das eine Umformung der Sinneswahrnehmung durch das Denken ist. In der Sprache der Quantenphysik ist dies die aktuelle Information, die im Rahmen des gegebenen theoretischen Modells durch eine Messung gewonnen wurde. Sie charakterisiert einen klassischen Zustand des Messger\u00e4tes, auf den das gemeinsame System von Messger\u00e4t und Beobachtungsgegenstand durch die Messung bzw. Beobachtung abgebildet wurde. Das Denken bringt die Systeme der Logik, der Mathematik und der Philosophie hervor, die man als bewusstseinsf\u00e4hige Gestalten des Geistigen bezeichnen kann. Die Messergebnisse folgen in Ihrer Anordnung den Gesetzen der klassischen Logik und den Formeln der mathematischen Physik. Die Philosophie setzt sie aus der Perspektive des Denkens mit ihrem transzendentalen\u00a0 Grund, der Selbstreflexion in Beziehung.<\/p>\n<p><em>Intuition: <\/em>W\u00e4hrend das Denken als eine eher aktive bewusste Reflexion des Geistigen erscheint, ergibt die Reflexion des Geistes auf den unbewussten Aspekt der Psyche die eher passiv aus dem Unbewussten aufsteigende Funktion der Intuition. C.G. Jung beschreibt die Intuition als die Funktion, die in den Gegenst\u00e4nden der Wahrnehmung das M\u00f6gliche erkennt und sozusagen um die Ecke einen Blick in die Zukunft wirft. Diesem entspricht der Aspekt der geistigen Information, die nicht eindeutig vorliegt, sondern eine Information \u00fcber m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Entwicklungen bereith\u00e4lt. In der Quantentheorie wird diese als potentielle Information bezeichnet und mit Hilfe der Wellenfunktion dargestellt. Sie ist eine mathematische Funktion, die die zeitliche Entwicklung aller m\u00f6glichen Zust\u00e4nde eines Systems in einer vollst\u00e4ndigen \u00dcberlagerung (Superposition) beschreibt. W\u00e4hrend die dem Denken entsprechenden faktischen Messergebnisse sich immer auf die Vergangenheit beziehen, erm\u00f6glicht die der Intuition entsprechende Wellenfunktion einen Wahrscheinlichkeitsblick in die Zukunft des M\u00f6glichen. Die Wellenfunktion entwickelt sich in der Zeit durch den mathematischen Formalismus der Schr\u00f6dinger-Gleichung streng kausal determiniert. Daraus folgt jedoch keine Kausalit\u00e4t f\u00fcr die Beziehung der Messergebnisse zueinander oder f\u00fcr die Beziehung eines Zustandes der Wellenfunktion und ein m\u00f6gliches Messergebnis, da der \u00dcbergang aus der Superposition in die faktische Eindeutigkeit der Messergebnisse durch den akausalen Prozess der Reduktion der Wellenfunktion im Rahmen einer Quantenbeobachtung erfolgt, die sich im vierwertigen zentralen Feld des Vier-Kreise-Modells befindet. Dieser spontane Prozess bildet die wiederholte Selbstreflexion des transzendentalen Subjekts auf die empirische objektivierte Ebene ab. Er ist sozusagen die Kupplung, an dem die Welle das Drehmoment des Motors in das Getriebe des Vier-Kreise-Modells \u00fcbertr\u00e4gt.<\/p>\n<p><em>Empfinden:<\/em> Das Empfinden ist die bewusste Reflexion des Materiellen und seiner Anordnung im \u00e4u\u00dferen physikalischen Raum. Es besteht aus konkreten Eindr\u00fccken, die Sinneseindr\u00fccke wie Farben, Formen, Ger\u00fcche, Kl\u00e4nge und Ber\u00fchrungen r\u00e4umlich nebeneinander und zeitlich hintereinander anordnen. Aus diesen direkt gewonnenen Sinneseindr\u00fccken wird erst in erweiterter Theoriebildung durch Vergleich mit kollektiv definierten Ma\u00dfst\u00e4ben die Quantifizierung in Messergebnissen, die auf der gegen\u00fcberliegenden geistig-bewussten Seite dem Denken unterliegen. In der Physik entspricht die bewusste Reflexion der Materie der Beobachtung selbst als physiologisch durchgef\u00fchrte Sinneswahrnehmung mit direkter Ablesung der Zeigerstellung des Messinstrumentes und der sinnlichen Bewertung der tats\u00e4chlichen materiellen Prozesse. Ebenso wie sich im Denken die potenzielle abstrakte Information der Wellenfunktion aktualisiert, realisiert sich im Empfinden in der Beobachtung die abstrakte Materie als unbewusster Ausdruck des ausgedehnten Seins in subjektiver bewusster Wahrnehmung.<\/p>\n<p><em>F\u00fchlen:<\/em> Im F\u00fchlen \u00fcberlappen sich der unbewusste Aspekt der Psyche und das Materielle, was zu einem passiven Aufsteigen psychischer Regungen f\u00fchrt, die als k\u00f6rperlich-unbewusste Reaktion auf\u00a0 Empfindungen oder Intuitionen im Bewusstsein auftreten. F\u00fchlen bezieht sich auf die Innenseite des K\u00f6rperlichen, so wie sich Empfinden eher auf seine Au\u00dfenseite bezieht. Obwohl es auch rein auf das Innere des K\u00f6rpers bezogene Empfindungen gibt, sind diese doch bewusster und externalisierter als die aus der unbewussten Psyche aufsteigenden Gef\u00fchle, die ebenso die Tiefen des Materiellen hervorholen k\u00f6nnen, wie das Denken die Tiefen bzw. Weite geistiger Zusammenh\u00e4nge zu Bewusstsein f\u00fchren kann. Im physikalischen Kontext entspricht die im Unbewussten reflektierte Materie dem Massebegriff, der als die Vorstellung der reinen Substanz losgel\u00f6st von \u00e4u\u00dferlich sichtbaren Eigenschaften wie Bewegung, Energie oder Information erscheint. Aus der Physik wissen wir heute, dass Masse im Sinne von Ruhemasse in Energie umgerechnet und umgewandelt werden kann. Die damit verbundene Dynamik und Wechselwirkung ist jedoch implizit und im Massebegriff im Inneren verborgen und damit unbewusst. Auch ist im Feld der unbewussten gespiegelten Materie der geistige Aspekt der Information als Entropie versteckt. Eine alte Einsicht mystischer Erfahrung und Tradition findet sich in dieser Analogie wieder: Der Masse-Aspekt des Materiellen ist der r\u00e4umlich \u00e4u\u00dferlich sichtbare Ausdruck von dem nicht Gef\u00fchlten. Oder pragmatisch formuliert: Im \u00e4u\u00dferen begegnet Dir als Materielles, was Du im Inneren zu f\u00fchlen nicht bereit bist.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Zwei komplement\u00e4re Bewusstseinsmodi <\/em><\/p>\n<p>Zwischen den zweiwertigen Feldern der Masse und der potentiellen Information liegt in der Schnittfl\u00e4che von Materie, Geist und dem unbewussten Aspekt der Psyche eine dynamische Durchdringung geistiger und materieller Gehalte in der unbewussten Psyche, die auf der zeitlichen Achse der Psyche in Richtung M\u00f6gliches verschoben ist. W\u00e4hrend die mittlere vierwertige Schnittfl\u00e4che aller vier Kreise dem dynamischen Prozess der Reduktion der Wellenfunktion im Jetzt und damit der kreativen Aktualisierung der inneren und \u00e4u\u00dferen Wirklichkeit in der bewussten Selbstreflexion entspricht, m\u00fcssen die beiden dreiwertigen Schnittfl\u00e4chen oberhalb und unterhalb der Mitte, die jeweils in Richtung unbewusstem und bewussten Pol verschoben sind, als in die Zukunft bzw. in die Vergangenheit weisende Komponenten dieses Gegenwartprozesses der Zeit gedeutet werden. Die m\u00f6glichen materiell-geistigen Formen liegen noch kurz vor der vollst\u00e4ndigen Reduktion der Wellenfunktion, w\u00e4hrend deren faktische Entsprechungen die Spuren dieser Ereignisse im materiellen Geschehen darstellen. In der Quantentheorie gibt es zwei Arten der Reduktion der Wellenfunktion, die als stark und schwach bezeichnet werden.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a> Gem\u00e4\u00df der schon beschriebenen quantenneurobiologischen Modellen werden vor allem solche Prozesse im Gehirn bewusst, die sich in molekulare Ver\u00e4nderungen oder Aktionen des neuronalen Netzes ausdr\u00fccken. Diese vollst\u00e4ndigen Reduktionen gro\u00dfr\u00e4umiger koh\u00e4renter Quantensuperpositionen werden als starke Reduktion bezeichnet und hinterlassen faktische Spuren im Ged\u00e4chtnis und erzeugen so klare und eindeutige Bewusstseinsinhalte. Sie k\u00f6nnten dem dreiwertigen Schnittfeld von Materie, Geist und Bewusstem zugeordnet werden.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a><\/p>\n<p>Die sogenannte schwache Quantenbeobachtung f\u00fchrt hingegen nicht zu einer vollst\u00e4ndigen Reduktion der Wellenfunktion auf einen eindeutigen Zustand, sondern lediglich zu ihrer Deformierung.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a> Hierdurch werden bestimmte M\u00f6glichkeiten wahrscheinlicher und andere verlieren an Wahrscheinlichkeit, es findet jedoch keine eindeutige Auswahl eines bestimmten Zustandes statt. Einige Modelle der Quantentheorie des Bewusstseins gehen davon aus, dass auch solche Quantenprozesse zu bewussten Wahrnehmungen f\u00fchren k\u00f6nnen. Dies k\u00f6nnen Vorausahnungen zuk\u00fcnftiger Ereignisse sein oder Inhalte sogenannter erweiterter Bewusstseinszust\u00e4nde, wie sie im Traum, in Nahtoderfahrungen oder durch psychodelische Substanzen induziert auftreten k\u00f6nnen. Diese Ereignisse k\u00f6nnten der Schnittfl\u00e4che von Geist, Materie und Unbewusstem zugeordnet werden. Das Erlebnisbewusstsein des Jetzt in der zentralen vierwertigen Schnittfl\u00e4che entspricht der periodisch wiederholten Aktualisierung der Wellenfunktion. Das unbewusst dreiwertige Feld l\u00e4sst sich in diesem Kontext den durch schwache Quantenbeobachtungen und Verschr\u00e4nkungen modifizierten Quantenfeldern globaler koh\u00e4renter Zust\u00e4nde im Nervensystem und ihren Bewusstseinszust\u00e4nden zuordnen, w\u00e4hrend das bewusst dreiwertige Feld den klassisch aktualisierten Gehirn- und Bewusstseinsprozessen entspricht, die emergent aus der Aktualisierung der Wellenfunktion der globalen koh\u00e4renten Quantenfelder des Gehirns hervorgehen<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a>.<\/p>\n<p>In tiefenpsychologischer Sprache bringt C.G. Jung diesen Zusammenhang in dem folgenden Zitat zum Ausdruck:<\/p>\n<p>\u201eDa nun aber die Existenz h\u00f6chst komplexer, bewusstseins\u00e4hnlicher Vorg\u00e4nge im Unbewussten durch die Erfahrung der Psychopathologie sowie der Traumpsychologie zum mindesten ungemein wahrscheinlich gemacht sind, so sind wir wohl oder \u00fcbel zu dem Schluss gen\u00f6tigt, da\u00df der Zustand unbewusster Inhalte demjenigen bewusster zwar nicht gleich,, aber doch irgendwie \u00e4hnlich sei. Es bleibt unter diesen Umst\u00e4nden wohl nichts anderes \u00fcbrig, als zwischen dem Begriff eines unbewussten und eines bewussten Zustandes ein Mittelding anzunehmen, n\u00e4mlich ein approximatives Bewusstsein.&#8221;<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a><\/p>\n<p>Das approximative Bewusstsein ist eine N\u00e4herung oder Ann\u00e4herung an die \u00dcberlagerung seiner beiden beschriebenen faktischen und potenziellen Spielarten und tritt nicht ein Reinform auf, wie f\u00fcr komplement\u00e4re Begriffssysteme charakteristisch. Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker beschreibt die Existenz getrennter individueller Objekte ebenso als eine klassische N\u00e4herung wie die individueller bewusster Subjekte, bedingt durch den Heisenberg`schen Schnitt.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a> Das empirische Bewusstsein ist so auch aus der Sicht der Quantentheorie eine N\u00e4herung des transzendentalen Subjekts und somit auch ein approximatives.<\/p>\n<p><em><br \/>\nMaterielle und geistige Pole psychischer Dynamik<\/em><\/p>\n<p>Das zentrale vierwertige Feld des Selbstbewusstseins wird auf der Geist-Materie-Achse von zwei weiteren dreiwertigen Feldern flankiert, die jeweils entweder in Richtung des geistigen oder materiellen Pols verschoben sind. Dies stellt eine Verschiebung auf der r\u00e4umlichen Achse dar, die in unterschiedlichen r\u00e4umlichen Manifestationen des Bewusstseins resultieren k\u00f6nnte. Auf \u00e4hnliche Weise wie das Verschieben auf der zeitlichen Achse zu eher Zukunfts- oder Vergangenheitsbezogenen Bewusstseinsformen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine Verschiebung der \u00dcberlappung bewusster und unbewusster Aspekte der Psyche in Richtung Materie im Materie-Psyche-Feld k\u00f6nnte eher organische ungeordnete r\u00e4umliche Strukturen des Bewusstseins erzeugen, wie sie im vegetativen Nervensystem des Bauchhirns des Menschen zu finden sind. Ist das Bewusstseinszentrum jedoch in Richtung des Geistigen verschoben wie im Geist-Psyche-Feld, so k\u00f6nnten st\u00e4rker hierarchisch strukturierte Formen wie die des zentralen Nervensystems entstehen. In den Begriffen des Schweizer Psychotherapeuten Remo Roths w\u00e4re das Materie-Psyche Feld dem Eros-Bewusstsein zugeordnet, das vom vegetativen Bauchhirn getragen wird, das sich netzwerkf\u00f6rmig im K\u00f6rper ausbreitet, w\u00e4hrend das Geist-Psyche-Feld dem Logos Bewusstsein des hierarchisch strukturierten zentralen Nervensystem entspricht.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a> Denken und Intuition f\u00fchren demnach ins Logos-Bewusstsein und aus dem K\u00f6rper heraus, w\u00e4hrend Empfinden und F\u00fchlen introvertiert verbunden in den K\u00f6rper hinein f\u00fchren. Erst in ihrer komplement\u00e4ren Zusammenf\u00fchrung f\u00fchren diese beiden Spielarten der menschlichen Psyche zu einem vollst\u00e4ndigen Bewusstsein.<\/p>\n<p><em>Die Raum- und Zeit-Achse<\/em><\/p>\n<p>Raum und Zeit bilden in Beziehung zum Bewusstsein eine \u00fcbergeordnete Komplementarit\u00e4t, da sie sich im empirischen Bewusstsein nicht losgel\u00f6st voneinander erfahren und beschreiben lassen. Die beiden orthogonalen Achsen lassen sich jedoch den Begriffen Raum und Zeit zuordnen, da der bewusste und unbewusste Pol der Psyche als das Faktische und M\u00f6gliche den zwei Modi der Zeit entsprechen, w\u00e4hrend Materie und Geist das klassische <em>res extensa<\/em> ausgedehnter Substanz konstituieren. W\u00e4hrend unser Bewusstsein die Vergangenheit und damit seine eigene Geschichte reflektierend erzeugt, bereitet die Psyche im Unbewussten die nahe und ferne Zukunft vor. W\u00e4hrend ich diese Worte tippe, liegen im unbewussten Aspekt meiner Psyche bereits die Worte am Ende dieses Satzes bereit, obwohl mein Bewusstsein diese noch nicht in sich tr\u00e4gt. Gleichzeitig ist mir der Sinn des gesamten Satzes jedoch schon zu Anfang bewusst.<\/p>\n<p>Die Raum-Achse l\u00e4sst sich zwischen Materie und Geist wiederum mit den komplement\u00e4ren Eigenschaften konkret-abstrakt belegen, w\u00e4hrend in Bezug auf die Psyche die bewusste Seite als extern und die unbewusste als intern bezeichnet werden kann. So ergibt sich der Vierkant konkret-abstrakt\u2014extern-intern, der auch in die vier Bewusstseinsfunktionen \u00fcbersetzt werden kann. Das konkret-externe Bewusstsein \u00e4u\u00dfert sich im Empfinden, w\u00e4hrend das gegen\u00fcber liegende abstrakt-interne Bewusstsein in der Intuition zum Ausdruck kommt. Das extern-abstrakte Bewusstsein ist das Denken, w\u00e4hrend das intern-konkrete dem F\u00fchlen zugeordnet werden kann. Zu dieser Zuordnung kommt der Physiker Harald Atmanspacher in seiner Arbeit <em>Raum, Zeit und psychische Funktionen<\/em><a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a>, allerdings in Bezug zu den Begriffen Raum und Zeit in Emmanuel Kants Kritik der reinen Vernunft. Er ordnet jedoch das Empfinden und die Intuition dem Raum und das Denken so wie das F\u00fchlen der Zeit zu. In dem hier dargestellten Schema, sind die vier Bewusstseinsfunktionen nicht eindeutig Raum und Zeit zugeordnet, sondern verbinden immer beide Anschauungsformen miteinander.<\/p>\n<p><em>Zusammenfassung<\/em><\/p>\n<p>Das hier dargestellte Strukturdiagramm zweier orthogonaler komplement\u00e4rer Achsen menschlicher Erkenntnis l\u00e4sst sich aus transzendental philosophischer Sicht als eine objektivierte Darstellung des Selbstbewusstseins als wiederholte Reflexion in Sich und Anderes verstehen. Es verbindet so aus erkenntnistheoretischer Perspektive psychologische mit physikalischen Begriffen und konkretisiert diese in neurobiologischen Strukturen. Die damit erreichte Analogie und Klarheit der Struktur- und Sinnbez\u00fcge deutet darauf hin, dass die zugrunde gelegte orthogonale Komplementarit\u00e4t von objektiv (materiell\/konkret-geistig\/abstrakt) und subjektiv (bewusst\/extern-unbewusst\/intern) fundamentale reflexive Strukturen des empirischen Bewusstseins abbildet. Im Zentrum stehen der physikalische Quantenbeobachtungsprozess, das spontane psychische Erleben und das dynamische Wechselspiel globaler koh\u00e4renter nichtlokaler neurobiologischer Quantenfelder, die als ausgedehnte Quantengegenwart ein St\u00fcck weit in Vergangenheit und Zukunft, so wie in Geist und Materie hineinreichen und so das Jetzt als fundamentales Mysterium des menschlichen Lebens bilden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Besonderer Dank gilt Prof. Johannes Heinrichs, dessen Werk Grundlage vieler Gedanken dieser Arbeit lieferte und der durch anhaltende Kritik und geduldige Gespr\u00e4che zur Sch\u00e4rfung einiger Konzepte<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a><br \/>\nAuch der deutsche Philosoph und Logiker Gotthard G\u00fcnther setzt einen Reflexionsraum mit vier ontologischen Komponenten Sein, Nichts, Ich und Du an, wobei das Nichts als Reflexion des Seins, das Ich als Reflexion auf die Sein-Nichts Negation und das Du als die thematische Inversion des Ichs aufzufassen sind. Die Gegen\u00fcberstellung von Geist und Materie, l\u00e4sst sich nicht im Sinne einer klassischen Reflexion, sondern als thematische Inversion verstehen, ebenso wie die Relation zwischen Ich und Du. W\u00e4hrend sich in der klassischen Reflexion nach G\u00fcnther Sein und Nichtsein im Sinne einer Negation gegen\u00fcberstehen, stellt die thematische Inversion immer den \u00dcbergang vom bestimmenden zum bestimmten Reflexionsmotiv dar. So ist Denken die thematische Inversion des Selbstbewusstsein, das Du die thematische Inversion des Ichs und der Geist die thematische Inversion der Materie. In letzterem Verh\u00e4ltnis wird die Materie nicht mehr als reines Sein im Sinne der klassischen Logik, sondern schon als in sich reflektierter Prozess verstanden, wie aus der Quantenphysik zwingend hervorgeht. Materie kann im Kontext der Quantentheorie nur noch als Wechselspiel abstrakter Dynamik von Wahrscheinlichkeitsfunktionen und empirischer Beobachtung als Reduktion der Wahrscheinlichkeitsfunktion betrachtet werden, die schon in sich einen Reflexionsprozess darstellt. Da selbst bereits reflexiv, kann die Materie nicht einfach \u00fcber eine klassische Negation im Denken abgebildet werden, sondern bedarf eben der thematischen Inversion ins Geistige. Materie und Geist erscheinen hierbei als die objektive und subjektive Seite eines Inversionsverh\u00e4ltnisses, bei dem Innen in Au\u00dfen, sowie Abstraktes in Konkretes ineinander abgebildet werden. Daher erscheinen die Materie objektiv und der Geist subjektiv, obwohl jedes dieser Sinnelemente in sich den jeweils anderen Pol als sein Wesen tr\u00e4gt. Die thematische Inversion hat eine starke Entsprechung zum Begriff der Komplementarit\u00e4t der Quantentheorie und auch auf die Beziehung zwischen den psychologischen Begriffen des Bewussten und des Unbewussten. Das Bewusste ist der Sinn des Unbewussten, ebenso wie das Unbewusste der Sinn des Bewussten ist. Beide Begriffe bed\u00fcrfen einander zur gegenseitigen Bestimmung. Die thematische Inversion kehrt sozusagen nur ihr Inneres ins \u00c4u\u00dfere und umgekehrt. Der physikalische Impuls ist nur definiert durch den zeitlichen Wechsel des Ortes, w\u00e4hrend der Ort als r\u00e4umliche Eigenschaft klassisch \u00fcber die Bewegung hergeleitet wird. Im Ort ist die Bewegung und in der Bewegung der Ort enthalten. Daher sind beide Begriffe als Observablen in der Quantenphysik komplement\u00e4r, ebenso wie die damit verbundenen Bilder von Teilchen und Welle. Die Welle definiert sich aus der M\u00f6glichkeit lokaler Wechselwirkungen in Form von Teilchen, w\u00e4hrend das Teilchen als Aktualisierung eines r\u00e4umlichen ausgedehnten Wellenprozesses in Erscheinung tritt. Die Relation der thematischen Inversion scheint mir aufs engste mit dem Begriff der Komplementarit\u00e4t in Beziehung zu stehen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a><br \/>\nDer quantenphysikalische und hier vorgeschlagene psychologische Komplementarit\u00e4ts-Begriff kann, wie in einer vorigen Fu\u00dfnote bereits dargelegt, als thematische Inversion im Kontext einer auf den Sinn bezogenen Reflexions- oder Sinnlogik verstanden werden. W\u00e4hrend in der klassischen Logik das Sein als mit sich selbst identisch nur widerspruchsfrei gedacht werden kann, definiert die Sinnlogik den Sinn als durch einen geschlossenen Reflexionskreis, der seine eigene Negation durchl\u00e4uft. Sinn ist keine Identit\u00e4t, sondern ein Gegenverh\u00e4ltnis zweier Bewusstseinsmotive, die sich darin gegenseitig bestimmen wie z.B. Wahrheit und Irrtum oder das Endliche und das Unendliche.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a><br \/>\nEs handelt sich also bei diesem Begriff des Unbewussten um eine zusammenfassende Objektivierung vieler unbewusster Funktionen in actu (<em>Bemerkung von Johannes Heinrichs<\/em>).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a><br \/>\nDie nichtklassische Logik Gotthard G\u00fcnthers enth\u00e4lt auf der dritten und finalen Reflexionsstufe vier Ebenen der Reflexionstiefe, von denen die erste dem unmittelbaren Bewusstsein, die zweite dem einfach reflektierten Bewusstsein, die dritte dem unendlich iterierbaren Bewusstsein und die vierte dem Selbstbewusstsein entspricht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a><br \/>\nUrteilen k\u00f6nnte streng betrachtet auch als Reflexion auf die Wahrnehmung erscheinen, was meiner Ansicht nach den enthaltenen Bewusstseinsfunktionen nicht vollst\u00e4ndig gerecht wird, da jede von diesen fundamental auf gleicher Ebene als Reflexionsprozess des Selbstbewusstseins zu verstehen ist. F\u00fchlen k\u00f6nnte demnach auch als Wahrnehmung eines Gef\u00fchls verstanden werden, w\u00e4hrend Intuition auch als Urteil \u00fcber einen Gedanken gesehen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellenverweise:<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a><br \/>\nHeinrichs, Johannes; \u00d6ko &#8211; Logik: Geistige Wege aus der Klima- und Umweltkatastrophe; Steno 2007<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a><br \/>\nAtmanspacher, Harald. (1996). Metaphysics taken literally. In Honor of Kalervo Laurikainen&#8217;s<\/p>\n<p>80th Birthday. In U. Ketvel (Ed.), Festschrift in Honor of K.V. Laurikainen&#8217;s 80th Birthday. (pp. 49-59). Helsinki: University of Helsinki Press.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a><br \/>\nWalach, Harald; Generalisierte Quantentheorie (Weak Quantum Theory): Eine theoretische Basis zum Verst\u00e4ndnis transpersonaler Ph\u00e4nomene<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a><br \/>\nHeinrichs, Johannes; Kritik der integralen Vernunft Bd. 1 und 2; 2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a><br \/>\nPenrose, Roger; Das Gro\u00dfe, das Kleine und der menschliche Geist, Spektrum Akademischer Verlag, 1997<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a><br \/>\nWeizs\u00e4cker, Carl Friedrich von; Aufbau der Physik, DTV 1988<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a><br \/>\nLucadou, Walter von; Leiblichkeit \u2013 L\u2019homme machine \u2013 Mensch-Maschinen-Interaktion: Erweiterung oder Konstriktion des Weltbezuges. <em>Dynamische Psychiatrie 2016,\u00a0 Vol. 49, S. <\/em>208-234.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a><br \/>\nStuart Hameroff, Quantum computation in brain microtubules? The Penrose-Hameroff Orch OR model of consciousness, <em>Departments of Anesthesiology and Psychology, The University of Arizona, Tucson, AZ 85724, USA<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a><br \/>\nJung, Carl Gustav; Theoretische \u00dcberlegungen zum Wesen des Unbewussten, GW Band 8 \u00a7 385<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a><br \/>\nGotthard G\u00fcnther, Metaphysik, Logik und die Theorie der Reflexion, Beitr\u00e4ge zur Grundlegung einer operationsf\u00e4higen Dialektik, Band 1, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1991<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a><br \/>\nSautter , Ulrich; Komplexit\u00e4t und Korrelation: eine logische Prop\u00e4deutik der Quantenmechanik, Tectum Verlag, Marburg 1999<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a><br \/>\nPauli, Wolfgang, Moderne Beispiele der Hintergrundsphysik, 1948<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a><br \/>\nJung, Carl Gustav; Theoretische \u00dcberlegungen zum Wesen des Psychischen, GW Band 8 S. 262, Anm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a><br \/>\nGotthard G\u00fcnther, Metaphysik, Logik und die Theorie der Reflexion, Beitr\u00e4ge zur Grundlegung einer operationsf\u00e4higen Dialektik, Band 1, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1991, S. 28<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a><br \/>\nThomas G\u00f6rnitz\/ Brigitte G\u00f6rnitz; Die Evolution des Geistigen, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen 2009<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a><br \/>\nvon Franz, Marie-Louise, Hillman, James: Zur Typologie C. G. Jungs. Die inferiore und die F\u00fchlfunktion. Bonz Adolf, 1992<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a><br \/>\nAharonov, Y; Albert, D.; Vaidman, L.; How the Result of a Measurement of a Component of the Spin of a Spin 1\/2 Particle Can Turn Out to be 100; PHYSICAL REVIEW LETTERS 1988; VOLUME 60, NUMBER 14<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a><br \/>\nThomas G\u00f6rnitz\/ Brigitte G\u00f6rnitz; Die Evolution des Geistigen, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen 2009<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a><br \/>\nKing, Chris; Space, Time and Consciousness; Cosciousness Became the Universe, Science Publisher 2017<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a><br \/>\nStuart Hameroff, Quantum computation in brain microtubules? The Penrose-Hameroff Orch OR model of consciousness, <em>Departments of Anesthesiology and Psychology, The University of Arizona, Tucson, AZ 85724, USA<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a><br \/>\nJung, Carl Gustav; Theoretische \u00dcberlegungen zum Wesen des Unbewussten, GW Band 8 \u00a7 387<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a><br \/>\nThomas G\u00f6rnitz, Carl Friedrich v. Weizs\u00e4cker, Physiker, Philosoph, Vision\u00e4r. Verlag der C.F.W. Stiftung, Enger 2012;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a><br \/>\nRemo F. Roth; Return of the World Soul: Wolfgang Pauli, C.G. Jung and the Challenge of<br \/>\nPsychophysical Reality; Part 1 and 2; Pari Publishing 2011, 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[xxiv]<\/a><br \/>\n<em><br \/>\n<\/em>\u00a0Atmanspacher, Harald; Raum, Zeit und psychische Funktion, Der Pauli-Jung-Dialog und seine Bedeutung f\u00fcr die moderne Wissenschaft, Springer Verlag 1995<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marcus Schmieke, Kr\u00e4nzlin, den 17. Juli 2018 Das Vier-Kreise-Modell des empirischen Bewusstseins &nbsp; In der Transzendentalphilosophie der Kant-Nachfolger Fichte, Schelling und Hegel konstituiert sich das Ich durch Selbstreflexion als reines Subjekt. Der in der Tradition der Reflexionsphilosophie stehende Sozialphilosoph Johannes Heinrichs betrachtet diesen transzendentalen Vollzug des Bewusstseins als das Subjekt eines aus vier Sinnelementen bestehenden 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